SOL: Selbstorganisiertes Lernen

Sol Logo klein 24 kBSOL ist keine neue methodische Variante, sondern ein Ansatz, der zwar mit verschiedenen Unterrichtsmethoden arbeitet, diese aber in ein Unterrichtskonzept integriert und damit einen Rahmen liefert, um durch eine veränderte Lern- und Unterrichtskultur die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

SOL bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, schrittweise selbstständiges und selbstverantwortliches Arbeiten einzuüben. Umgekehrt können Lehrerinnen und Lehrer allmählich ihre traditionelle Rolle als dominierende Wissensvermittler in Richtung von Lernberatern verändern.
SOL kann in verschiedensten Formen durchgeführt werden: von einer zweistündigen Einheit im Fachunterricht bis zu fächerübergreifenden Projekten über mehrere Wochen.
Sicher sind die Veränderungen am wirksamsten, wenn möglichst viele Lehrerinnen und Lehrer einer Klasse, Jahrgangsstufe oder Schule nach dem Konzept SOL arbeiten, doch entscheidend ist die Erkenntnis, dass dabei ein Prozess stattfindet, dessen Ziel selbstorganisiertes Lernen ist.

Anfangs ist dieser Lernprozess noch durch starke Steuerung und klare Vorgaben bestimmt; erst durch stetige Anwendung entwickelt sich ein Regelsystem mit
zunehmender Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung der Schüler. Daher ist SOL nicht gedacht als einmalige methodische Abwechslung. Richtig wirksam wird es erst in der wiederholten Anwendung mit dem Ziel einer Umgestaltung des Unterrichts. Dazu gehört, dass Ziele benannt, überprüft und ggf. korrigiert werden.

Ein organisatorisches Grundprinzip von SOL ist das Gruppenpuzzle (auch als “Quergruppen” bekannt), ein arbeitsteiliges Verfahren, aus dem sich für jede einzelne
Schülerin und jeden Schüler die Notwendigkeit verantwortlicher Erarbeitung und Vermittlung ergibt.

Die zweite didaktisch-methodische Grundlage ist das Sandwichprinzip, der geplante Wechsel von individuellen und kollektiven Lernphasen, um möglichst vielen Lernbedürfnissen, Lerntypen und Lernwegen gerecht zu werden. Hier ist auch ein fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch oder ein Lehrervortrag möglich.

Ausgangspunkt für die Planung einer SOL-Einheit ist stets das Thema. Die Inhalte sind zunächst zu vernetzen, d.h. in eine nicht-lineare Struktur zu bringen. In einer
“Lernlandkarte”, werden diese Zusammenhänge visualisiert und den Schülern als Überblick über das zu behandelnde Thema vom Lehrer präsentiert. Die Inhalte werden zuerst in Stamm- und Expertengruppen erarbeitet. Durch das Sandwichprinzip mit seinen verschiedenen Sozialformen und Methoden wird die inhaltliche Qualität
gesichert. In weiteren Runden kann das Thema vertieft werden. Konsequenzen aus diesem Unterrichtsarrangement ergeben sich nicht nur für Lehrer- und Schülerrolle und
für die Lernkultur, sondern auch für die Leistungsbeurteilung in der Schule, die um neue Formen ergänzt werden muss.

Marianne Necker-Zeiher, verändert durch Wolfgang Schwarz 4.04

Literatur: Herold, Martin und Landherr, Birgit: SOL Selbstorganisiertes Lernen. Ein systemischer Ansatz für Unterricht. Hohengehren (Schneider Verlag) 2001